Ein Schwert im Fels und eine Kirche ohne Dach: Die Abtei von San Galgano

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Galgano Guidotti soll ein verzogener, selbstsüchtiger Rittersohn aus Chiusdino gewesen sein, der einen ausschweifenden Lebensstil pflegte. Nach einer Marienerscheinung beschloss er, sein liederliches Leben aufzugeben und zog sich auf den Hügel Montesiepi zurück, wo er in einer Hütte aus Zweigen und Blättern lebte und sich ganz dem Gebet widmete. Als Zeichen seines Sinneswandels rammte er sein Schwert in einen Felsen, das seitdem niemand herauszuziehen vermag.

Das Excalibur der Toskana
Zu Ehren Galganos wurde nach dessen Tod auf dem Montesiepi-Hügel eine Kapelle errichtet. In deren Mitte  befindet sich der sagenhafte Fels, in dem selbstverständlich noch das Schwert steckt. Kinder, die San Galgano in der Vorfreude auf die toskanische Version Excaliburs besuchen, werden ein wenig enttäuscht sein: Da das Schwert von einer Plexiglaskuppel geschützt ist, können sie leider nicht selbst versuchen, es herauszuziehen. Man braucht die Kleinen aber nur ins Nebenzimmer der Kapelle zu führen: Dort sind zur Warnung die Hände eines Frevlers ausgestellt, der versucht haben soll, das Schwert aus dem Stein zu ziehen. Ein von Gott gesandter Wolf hat sie ihm nach seinem schändlichen Versuch abgebissen.

Die dachlose Kirche
Die eigentliche Sehenswürdigkeit ist aber nicht die Kapelle, sondern die Abtei von San Galgano, eine Klosterruine, die sich ein paar Gehminuten unterhalb des Hügels befindet. Sie wurde im 13. Jahrhundert von Zisterziensermönchen gebaut und ist allein schon in kunsthistorischer Hinsicht ein Hingucker in der Toskana: Sie gilt als das erste und bedeutendste gotische Bauwerk der Toskana. Die mächtige Kirche, die die Anlage überragt, ist schwer beschädigt: Bei einem Blitzeinschlag stürzte 1783 der Glockenturm ein und zerstörte dabei das komplette Dach. Ironischerweise macht gerade das die Kirche sehenswert: Denn der 71 Meter lange Bau ist wie der Rest der Klosteranlage an sich gut erhalten. Das fehlende Dach verleiht ihm aber ein unwirkliches, fast gespenstisches Aussehen.

Die „Abbazia di San Galgano“ erreicht man von Grosseto aus über die SS 223 Richtung Siena, Ausfahrt S. Galgano/Chiusdino/Monticiano. Der Eintritt für die gesamte Anlage beträgt 2 Euro.

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7 Responses to Ein Schwert im Fels und eine Kirche ohne Dach: Die Abtei von San Galgano

  1. rotewelt sagt:

    Dort finden auch Konzerte statt. Als ich dort war, fanden gerade die Vorbereitungen statt. Es muss schön sein, an einem lauen Abend dort Musik zu hören, mit dem Sternenhimmel als Dach.

  2. Anonymous sagt:

    Ich war vor einigen Jahren vor Ort, während meiner Rundreise durch Italien übernachteten wir einige Male auf dem Hof nebenan. Nachts war der Himmel dunkelblau und von Sternen übersät, ich sah noch niemals, selbst nicht auf dem Meer, einen solchen Sternenhimmel und ebenso waren die Konzerte ein Genuss für Ohr und Seele. Aber Morgens, ganz früh hörte man einen Wolf heulen
    und es kroch auch eine kleine grünliche Schlange durchs Gras. Es war eine wunderbare Zeit.
    Die Hinfahrt lohnt sich allemal, schon für die Gebäude und Ruinen und den Geist der Geschichte, des italienischen Excalibur

  3. renaac sagt:

    Wie schön dachlose Kirchen manchmal doch sind!
    Ich kenne da auch eine dachlose San Zeno in Palermo. Dort gibt es abends Konzerte und sogar Ausstellungen. Man kann es verstehen – letztendlich regnet es dort nicht so beharrlich konsequent wie letzter Tage in Aachen 🙁 Werden auch in San Galdano kulturelle Veranstaltungen organisiert? Oder liegt sie zu abgelegen?
    Viele Grüße
    Renata

  4. Christian Gaier sagt:

    Hallo, ich werde nächste Woche ein paar Tage in Florenz sein und will auch die Abbazia San Galgano besuchen. Wie komme ich – ohne Auto – dort hin? Danke schon einmal )

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