Die Etrusker in der Maremma (4): Sovana und die Tuffstein-Gräber

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Die „area del tufo“ (das Tuffsteingebiet) sollte man sich während eines Maremma-Urlaubs auf keinen Fall entgehen lassen. Zum einen finden sich hier drei der faszinierendsten Dörfer der Toskana – die Tuffseinstädte Pitigliano, Sorano und Sovana,  zum anderen kann man hier die jahrtausendealte Kultur der Etrusker am unmittelbarsten erleben.

Etruskische Kultur trifft Mittelalter
Sovana ist mit Sorano eine der beiden kleineren Tuffsteinstädte neben Pitigliano. Wie ihre beiden Schwestern steht sie auf und besteht zum größten Teil aus Tuff. Ihre Geschichte reicht bis in die Jungsteinzeit zurück, in der die ersten Siedlungen auf dem Gebiet entstanden. Im 9. Jahrhundert vor Christus siedelten sich die Etruker an und drückten der Gegend ihren heute noch gut sichtbaren Stempel auf: die in den Fels gegrabenen Hohlwege „vie cave“ und die zahlreichen Grabstätten. Während sich diese etruskischen Sehenswürdigkeiten kurz außerhalb von Sovana befinden, ist der Ort selbst mittelalterlich geprägt. Das eindrucksvollste Zeitzeugnis ist wohl die „Rocca Aldobrandesca“, eine Burg am Rande des Ortes. Die Ruine zeugt von der Herrschaft der Aldobrandeschi, jenem Feudalherrengeschlecht, das im Mittelalter die gesamte Maremma beherrschte. Eigentlich schade, dass die Burg seit dem 17. Jahrhundert dem Verfall überlassen wurde.

Wie ein einziges Museum
Unangefochtenes Wahrzeichen und Postkartenmotiv Nummer eins Sovanas ist der „Palazzo dell’Archivio“, der ehemalige Gemeinde- und Archivpalast mit seinem charakteristischen Glokenturm und der Uhr. Er befindet sich auf dem einzigen Platz des Ortes, der „Piazza del Pretorio“. Hier wie fast überall in Sovana scheint sich seit dem Mittelalter nichts verändert zu haben: Kein modernes Gebäude stört das Stadtbild, nur einige parkende Autos hindern daran, sich vollständig in längst vergangenen Zeiten zu verlieren. Sovana wirkt damit eher wie ein einziges Freiluftmusem als ein bewohnter Ort. Perfekt in dieses Bild passt auch der Dom von Sovana. Wenn man links oder rechts am „Palazzo dell’Archivio“ vorbeigeht, erreicht man ihn nach ca. 200 Metern. Die romanische Kathedrale wurde zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert erbaut und könnte nicht besser ins mittelalterliche Bild von Sovana passen. Die prunklose Kirche erinnert innen wie außen aufgrund der nackten Felsen eher an eine Ritterburg als an einen Dom.

2.500 Jahre alte Grabkammern
Sovana mit seinen kaum 150 Einwohnern hat man in ein bis zwei Stunden komplett besichtigt; zusammen mit den etruskischen Gräbern ergibt es aber einen idealen Tagesausflug. Die Gräber befinden sich im archäologischen Park an der „Strada Provinciale Sovana“ (Richtung Saturnia) keine zwei Kilomenter außerhalb des Ortes (einfach den Schildern „Necropoli etrusca“ folgen). Man parkt an dem winzigen Kassenhäuschen und erkundet dann die Grabstätten und Hohlwege, die sich im Wald verstecken. Die imposanteste und zugleich berühmteste Grabstätte des Parks ist die „Tomba Ildebranda“: Die Formen des ehemaligen Tempels, der aus einem riesigen Tuffsteinblock geschlagen wurde, lassen sich heute noch gut erkennen. Verputzt und farbig bemalt muss die Anlage einst sehr eindrucksvoll gewesen sein. Die Grabkammern befinden sich direkt unter dem Tempel und sind frei zugänglich. Auch in den Gräbern selbst haben Freksen und Farben die knapp 2.500 Jahre leider nicht überdauert. In einem anderen Grab des archäologischen Parks, der „Tomba dei demoni alati“ (benannt nach den dort gefundenen Skulpturen, die „geflügelte Dämonen“ darstellen), kann man allerdings noch Reste der einstigen Bemalung erkennen.

Hohlwege durchs Tuffgestein
Außer diesen beiden Grabstätten beherbergt die Ausgrabungsstätte noch einige weitere etruskische Nekropolen. Auch in die beiden „vie cave„, die Hohlwege, die sich durch den Fels schlängeln, sollte man sich einmal hineinwagen. Wer an den Wänden genau hinsieht, kann sogar hier und da noch etruskische Schriftzeichen erkennen.

Info:
Der archäologische Park von Sovana ist April bis Oktober jeden Tag geöffnet, im März und November nur am Wochenende, Dezember bis Februar ist er geschlossen. Der Eintritt kostet 5 Euro pro Person.

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