Wie aus dem Stein gepellt: Pitigliano

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Pitigliano dürfte euch inzwischen ein Begriff sein, schließlich ist das Städtchen der Geburtsort der Süßspeise Sfratto und des halboffiziellen Maremma-Shirts – und überhaupt eine der Top-Sehenswürdigkeiten der Südtoskana … Gründe genug, dieser Stadt endlich einen ausführlichen Artikel zu widmen.


Pitigliano, ToskanaPitiglianos Bekanntheit rührt in erster Linie von seiner spektakulären Lage her: Der mittelalterliche Stadtkern thront unübersehbar auf einem massiven Sockel aus Tuffstein. Dass der Ort dadurch aussieht wie eine überdimensionale Sandburg, ist kein Zufall: Die meisten Gebäude wurden aus eben diesem braungrauen Gestein gebaut, einige sogar schlicht aus dem Sockel herausgemeißelt.

Um die Postkartenmotiv-reife Totalansicht auf den Ort genießen (und fotografieren) zu können, hält man vor einem Besuch in der Stadt selbst auf dem Parkplatz vor der Kirche “Madonne delle Grazie” – von Westen (Saturnia, Montemerano, Manciano) kommend bei einer scharfen Rechtskurven gelegen. Von hier startet auch einer der etruskischen Hohlwege.

Pitigliano Palazzo Orsini

Innenhof des Palazzo Orsini

Im Ort selbst angekommen sucht man sich einen Parkplatz außerhalb des Stadtkerns und betritt über die Piazza Garibaldi das historische Zentrum zu Fuß. Folgt man der Via Cavour, erstreckt sich links ein Aquädukt aus der Medici-Zeit (17. Jahrhundert); auf der rechten Seite befindet sich der Palazzo Orsini, der Herrschaftssitz der Orsini-Familie, die vom 13. bis zum 16. Jahrhundert über Pitigliano regierte, bis sie von den Medici abgelöst wurde. Im Palazzo befinden sich zwei Museen: das „Museo di Palazzo Orsini“ (Eintritt 4 Euro) zeigt sakrale Kunst aus der Gegend, das kleinere „Museo civico archeologico“ (Eintritt 3 Euro) archäologische Funde aus der Etruskerzeit.

Pitigliano jüdisches Viertel

Eingang zum jüdischen Viertel, dem „kleinen Jerusalem“

Hält man sich an der nächsten Weggabelung links, gelangt man ins jüdische Viertel. Dieses entstand im 17. Jahrhundert als Ghetto, in welches die Medici die ortsansässigen Juden umsiedelten. Bis heute zeugen eine Synagoge, ein koscheres Schlachthaus und ein koscherer Weinkeller von einer aktiven jüdischen Gemeinschaft.

Von dort aus schlendert man durch die engen Gassen des Stadtkerns und nimmt sich ein Andenken aus einem der vielen kleinen Kunsthandwerkerläden mit (zum Beispiel bei Maremmamà). Dabei kommt man unweigerlich am Dom von Pitigliano vorbei, der im Innern durch die prächtige Kreuzbogenkonstruktion beeindruckt und außen durch seinen eckigen Glockenturm (unübersehbar auch vom Parkplatz „Madonna delle Grazie“).

Im September werden die ansonsten so ruhigen Gassen zum Schauplatz des Weinfestes „Festa delle Cantine“, bei dem an sprichwörtlich jeder Straßenecke Wein ausgeschenkt und lokale Spezialitäten angeboten werden (für genaue Termine siehe unseren Veranstaltungskalender). Überhaupt gehört der Wein der Kellerei von Pitigliano zu den unserer Meinung nach besten der Maremma.

Pitigliano Gassen

der mittelalterliche Stadtkern von Pitigliano

Wer allmählich Hunger bekommt, geht zurück zur Piazza Garibaldi, auf der sich die Pizzeria Il Noce befindet.  Die ist nicht nur wegen guter Pizza und Pasta-Gerichte einen Besuch wert, sondern auch wegen ihres in den Tuffstein gehauenen Speisesaals im Untergeschoss.

Die anderen beiden, etwas kleineren Tuffsteinstädte Sovana und Sorano sollte man sich übrigens auch nicht entgehen lassen.

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5 Responses to Wie aus dem Stein gepellt: Pitigliano

  1. Dina sagt:

    Tolle Eindrücke von Pitigliano!
    Dina x

  2. Giovanni Rosso sagt:

    Danke Max, supertoll !

    Freue mich schon auf den nächsten Pitiglianobesuch und Rundgang …
    (Habe noch Pitigliano-Weine in meinem Weinkeller)

    bG Giovanni

  3. Ursa sagt:

    da könnte ich doch sofort hinfahren … einfach toll !!! Kannte es bislang nicht ….

  4. Wolf sagt:

    Sind heute Nacht nach staureicher Heimfahrt endlich wieder Zuhause angekommen. Das „endlich“ bezieht sich aber nur auf die Fahrt, nicht auf unseren Urlaub. Wollten eigentlich in der Maremma wandern gehen, hätten aber den Reiseführer besser lesen sollen. Bis Anfang Juni geht das schon, danach aber (und nur an bestimmten Tagen) lediglich mit Reiseführer in der Gruppe auf bestimmten Wegen. Schade…
    Pitigliano darf man auf keinen Fall verpassen und auch die Pizza im Il Noce nicht – hab eine Quattro formaggi mit weißen Trüffeln überbacken bestellt. Wahnsinn!!!
    Für Bio-Fans kann ich unbedingt noch La Selva empfehlen – wer die nicht kennt, bitte googeln (etwa 2 km vom Ausgang von Albinia aus Richtung Manciano fahren, am ersten Kreisel die dritte Abfahrt Richtung San Donato nehmen, hinter der kleinen Brücke links rein und nach etwa 3 km liegt das Anwesen).
    Wollten mit dem Rad von Albinia noch nach Orbetello um bei der Dune Feniglia zu baden. Die Sandstrände zur Meeresseite sind echt toll, am Rande eines wunderschönen Pinienwaldes gelegen. Mit dem Rad sollte man die Tour jedoch wegen dem Verkehr nicht machen – man will ja noch etwas vom Urlaub erleben 🙂
    Sovana lohnt sich auf jeden Fall mal anzuschauen, man sollte aber nicht zuviel erwarten. Sorano hingegen ist wieder unbedingt sehenswert.
    Ansonsten wird diese dritte Toskano-Reise wiederum nicht unsere letzte bleiben…

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