Monteriggioni – Mittelalter in Kreisform

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Gerade einmal 172 Meter sind es vom einen Ende des Dorfs bis zum anderen. Die Häuser innerhalb des kreisrunden Mauerrings kann man an zwei Händen abzählen. Dennoch ist Monteriggioni schon von der Schnellstraße zwischen Florenz und Siena aus unübersehbar dank seiner trutzigen Stadtmauern und der exponierten Hügellage – wie eine Ritterburg. Tatsächlich stammen die Mauern mit ihren charakteristischen 14 Wehrtürmen aus dem Mittelalter (13. Jh.) und sind bis heute völlig intakt.

Monteriggioni, Südtoskana

Foto: Francesca de Munari

Auch innerhalb des Schutzwalls hat sich seit Ritterszeiten wenig geändert. Der einzige Hinweis, dass man sich doch in der Neuzeit befindet, sind die Fernsehantennen auf den Dächern. Hat man außerhalb der Mauern geparkt, betritt man Monteriggioni durch eins der beiden Stadttore, das unter einem der Türme hindurchführt, und steht sofort auf dem einzigen Platz, der Piazza Roma – mit Bar, Tabaccheria, Kirche, Restaurant und Andenkenladen eindeutig das Herzstück des Dorfs. Hier verweilt man unweigerlich, sei es zum „caffè“-Trinken, Fotos schießen oder einfach zum Genießen der jeglichen Alltagshektik enthobenen Atmosphäre.

Wer schon Hunger hat, darf sich freuen, dass die wenigen Lokale Monteriggionis trotz Beinahe-Monopolstellung keine Touristenfallen sind. Sehr zu empfehlen ist das Ristorante Il Feudo (Piazza Roma 16, tgl. 12-22.30), das eine große Auswahl an klassischen toskanischen Gerichten anbietet und außerdem sehr gute Pizzen macht.

Der Rest des Zentrums ist schnell durchmessen und präsentiert sich genau so malerisch, wie es sich eben für ein mittelalterliches toskanisches Dorf gehört. Auf keinen Fall sollte man sich einen Rundgang über die Stadtmauern entgehen lassen. Von den Wehrgängen aus kann man die Häuser des Dorfs von oben betrachten, vor allem genießt man aber ein Dauerpanorama in die sienesische Landschaft.

Anschließend empfiehlt sich ein Besuch im Museo delle Armature. Dort können die Waffen und Rüstungen nicht nur betrachtet, sondern dürfen sogar ausdrücklich angefasst und angezogen werden. Kinder, insbesondere Jungs, haben hier auf jeden Fall ihren Spaß. Der Rundgang auf den Mauern kostet im Kombiticket mit dem Museum 4 Euro pro Person (Eingang: Piazza Roma 23, Di geschl.).

Monteriggioni liegt übrigens an der alten Pilgerstraße Via Francigena und ist damit ein beliebtes Ziel nicht nur bei Pilgern, sondern auch bei Wanderern und Mountainbikern. Einen ganzen Tag wird man in Monteriggioni selbst mit Restaurantbesuch, Mauerrundgang und Waffenmuseum nicht verbringen, aber als Zwischenhalt von Florenz nach Siena oder auf dem Nachhauseweg vom Maremma-Urlaub ist das Dorf perfekt.

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6 Responses to Monteriggioni – Mittelalter in Kreisform

  1. Silencer sagt:

    Ein wirklich verwunschener Ort und einer der Gründe, warum es mich immer wieder in die Gegend von Siena zieht. Nur durch die Darstellung Monteriggionis im Videospiel „Assassins Creed II“ bin ich übrigens auf die Region aufmerksam geworden und habe meine Liebe zu Italien und zum Reisen entdeckt. Da sage noch einer, Computerspiele würden nicht zur Bildung beitragen…

  2. Silencer sagt:

    Laut Giulia, der freundlichen Dame am Tresen des Museo delle Armature, verpönt und ignoriert der Stadtrat Monteriggionis das virtuelle Abbild auch.

    „Assassins Creed“ ist halt nur historische Fiktion. Der Spieler erlebt in der Toskana der Renaissance Dinge wie die Pazzi-Verschwörung und trifft Menschen wie Leonardo da Vinci, Savonarola oder Niccolò Macchiavelli, und Monteriggioni ist quasi die Basis. Das Spiel ist „Poetry in Motion“, wir IGN einst meinte, aber mit der Realität hat es nur bedingt zu tun.

    Nichtsdestottrotz ist ACII immer noch der Grund, weshalb jedes Jahr tausende Videospieler in der Toskana einfallen und ganz ehrfürchtig Orte wie Monteriggioni, San Gimignano oder Florenz. besuchen, die sie in der Geschichte des Spiels erlebt haben.

    Meiner Meinung nach hat ein Spiel, auch wenn es Fiktion ist, das höchste Ziel erreicht, wenn es Menschen dazu bringt, den Hintern von der Couch zu heben und Interesse an fremden Orten und Geschichte zu entwickeln. Das kann man gar nicht hoch genug bewerten. Und Monteriggioni ist ein toller Startpunkt um die Welt zu erkunden 😉

  3. richensa sagt:

    Wie schön… und schön, dass es noch nicht so überlaufen zu sein scheint…

  4. renaac sagt:

    Monteriggioni ist eine der schönsten Kronen der Toskana, so wie sie da auf dem Hügel souverän sitzt und keine andere neben sich duldet. Man kommt nicht umhin, bei diesem Anblick die nächsten Urlaubspläne in der Toskana zu schmieden. Wunderbar!

  5. Hallo Max,
    ein schöner Artikel über Monteriggioni.
    Auf meiner Homepage
    http://www.toskana-album.de/monteriggioni.html
    habe ich ein paar Bilder abgelegt, die Deine Beschreibung fotografisch ergänzen.
    In Monteriggioni findet auch ein bekanntes Mittelalterfest statt.
    http://www.monteriggionimedievale.com/

    Gruß
    Jörg

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