Last Mühle standing: Der „mulino spagnolo“ von Orbetello

4.8/5 (10)

Jeder, der schon einmal in Orbetello war oder die Stadt auch nur passiert hat auf dem Weg zur Argentario-Halbinsel, kennt sie: die Mühle, die verträumt in der Lagune steht, „mulino spagnolo“ (die spanische Mühle) genannt. Sie dürfte das beliebteste Fotomotiv von Orbetello sein. Aus naheliegenden Gründen: Sie steht mitten im Wasser, ist offenbar ein historisches Bauwerk und macht vor dem Hintergrund der Lagune „bella figura“ – vor allem, wenn sie von der Abendsonne beschienen wird.

Die Mühle von Orbetello (Foto: Rossana Ciocca)

Die Mühle in der Lagune von Orbetello …

So erfreut man über dieses Kleinod sein darf, so muss man sich doch ebenso darüber wundern: Warum baut man eine einzelne Windmühle mitten in eine Lagune? Wäre der Wind auf einer der drei Landzungen, die das Festland mit dem Monte Argentario verbinden, nicht ebenso kräftig gewesen? Und warum „spanische Mühle“?

Wind? Brauchen wir nicht.

Die Geschichte der Orbetello-Mühle beginnt im 15. Jh. Und die Mühle war ganz und gar nicht allein: Ursprünglich standen in der Lagune neun Mühlen. Bauherren waren die Senesen, denn Orbetello war damals vom Stadtstaat Siena regiert. Die „mulini“ sollten, wie man sich denken kann, die Stadt mit Mehl versorgen. Dass sie mitten in die Lagune gebaut wurden, hat tatsächlich nichts mit den Windverhältnissen zu tun. Die Mühlen arbeiteten jahrhundertelang nämlich nicht mit Wind, sondern wurden von der Strömung in der Lagune angetrieben. Der Wasseraustausch mit dem Meer im Norden der Lagune sorgte für eine kontinuierliche Strömung und hielt so die Mühlsteine in Bewegung. Das Getreide sowie das fertige Mehl transportierte man gezwungenermaßen mit kleinen Booten zwischen Mühlen und Land hin und her.

Die Mühle von Orbetello (Foto: Rossana Ciocca)

… aus jedem Blickwinkel schön …

Die spanische Seite der Toskana

Erst die Spanier bauten die „mulini“ im 16. Jh. zu Windmühlen um. Die Spanier? Tatsächlich stand ein kleiner Teil der Maremma eine Zeit lang unter spanischer Herrschaft, genauer gesagt von 1557 bis 1815. Nach dem Fall der Republik Siena wurde Orbetello nicht, wie der Rest der Maremma, ins Großherzogtum der Medici eingebunden, sondern zusammen mit einem Teil Elbas, Piombino und Talamone dem spanischen König zugestanden. Diese Gebiete gingen als „stato dei presidi“ in die toskanische Geschichte ein.

Die Spanier also verzichteten aus unbekannten Gründen auf den ausgeklügelten Antrieb der Mühlen, statteten sie mit Windrädern aus und ließen ganz unspektakulär die Mittelmeerwinde ihr Werk verrichten. So wurden, je nach Wetter, die Mühlsteine entweder vom Südostwind Scirocco oder von dem aus Nordosten wehenden Maestrale bewegt.

Die letzte von neun Mühlen

Die Zeit überdauert hat nur eine einzige der neun Mühlen – und erfreut sich umso größerer Aufmerksamkeit durch Touristen und Fotografen. Wer tatsächlich noch nicht „darübergestolpert“ ist: Der Mulino spagnolo befindet sich am westlichen Ende von Orbetello, an der Straße, die durch die Lagune auf den Monte Argentario führt. Von dem großen Parkplatz aus hat man sie bestens im Blick.

Die Mühle von Orbetello (Foto: Rossana Ciocca)

… und zu jeder Tageszeit.

Fotos: Rossana Ciocca von der Locanda Il Poderino

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