Von der Malariahölle zum Badeparadies: Castiglione della Pescaia

„Pittoresker Badeort mit kristallklarem Wasser und traumhaften Stränden“ – so könnte man Castiglione della Pescaia in bester Touristenführer-Manier treffend beschreiben. Wer auf der mittelalterlichen Burg steht, die den Ort überragt, blickt auf breite Sandstrände und einen malerischen Fischer- und Yachthafen herab. Schwer vorstellbar, dass sich dem Betrachter bis Mitte des 20. Jahrhunderts der Ausblick auf eine einzige große Sumpflandschaft darbot. Wo man sich heute maximal einen Sonnenbrand holt, wütete einst die Malaria, und statt Touristen- bevölkerten Mückenschwärme den Ort.

Castiglione della Pescaia, Maremma

Castiglione della Pescaia ist in seiner Geschichte beispielhaft für die ganze Maremma: ein ehemaliges Sumpfgebiet, dem der Mensch mühsam Urbarkeit abzuringen versuchte, das die Natur aber immer wieder zurückeroberte.

Jahrtausendelange Kultivierungsversuche
Wenn man auf der Burg steht und den Blick übers Meer bis zur Insel Giglio und dem Monte Argentario genießt, braucht man den Kopf nur ein wenig nach links zu drehen, um einen Zeugen der sumpfigen Vergangenheit Castigliones zu sehen: das „Casa Rossa Ximenes“, ein (wie der Name schon sagt) rotes Haus, das gebaut wurde, um von dort aus den Ablauf des Sumpfwassers zu steuern – einer von vielen Versuchen im Laufe der Geschichte, die Landschaft trockenzulegen. Die ersten machten bereits die Etrusker; damals war das Gebiet allerdings noch von einem riesigen Salzsee, dem „Lago Prile“ bedeckt. Im 18. Jahrhundert zu Zeiten des Großherzogtums Toskana wurde der Ingenieur und Namensgeber des „Casa Rossa“ Leonardo Ximenes mit der Urbarmachung der Gegend betraut. Doch die Arbeiten stockten immer wieder und die Natur gewann wieder die Oberhand. Auch unter Mussolini wurden Kultivierungsversuche gestartet, die aber erst Mitte des letzten Jahrhunderts erfolgreich beendet wurden.

Malaria gibt es heute in der Gegend um Castiglione zwar keine mehr, ein beachtliches Stück Sumpf hat sich aber erhalten: Der „Palude di Castiglione“ erstreckt sich gleich hinter dem „Casa Rossa Ximenes“ und ist mit rund 1.000 Hektar bis heute Italiens größtes Sumpfgebiet.

Bootsfahrt durch den Sumpf
Das „Casa Rossa Ximenes“ ist heute ein Museum und gleichzeitig Info-Point für das Naturschutzgebiet des „Palude di Castiglione“. Am besten, man bucht einen Museumsbesuch zusammen mit einer geführten Bootsfahrt durch den Sumpf (Erwachsene: 12 Euro, Kinder: 6 Euro, mehr Infos). Das Baden am Strand von Castiglione sollte man dabei aber nicht vergessen!

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