Maremma für Einsteiger

Die Toskana: sanfte Hügel, von Zypressen gesäumte Alleen, die zu prächtigen Landhäusern führen. Dazu Städte wie Florenz, Pisa und Siena, die sich an Kunstschätzen und kulturellen Sehenswürdigkeiten gegenseitig überbieten. Und dann gäb’s da noch die Maremma: Wälder, in denen Wildschweine leben, Steppen, in denen einsame Cowboys ihr Vieh hüten und heißes Schwefelwasser, das aus Felsen sprudelt. Kunst und Kultur? Selbstverständlich – nur weniger die der blühenden Renaissance als die der mystischen Etrusker oder der verwegenen Butteri.

Thermen von Saturnia, "Le cascate", in der Maremma, Toskana
Thermen von Saturnia, „Le cascate“, in der Maremma, Toskana

Was ist die Maremma eigentlich?

Maremma nennt sich der südlichste Teil der Toskana, der sich vor allem durch seine naturbelassene Landschaft auszeichnet. Feste Grenzen hat die Maremma nicht, da es sich um keine offizielle Verwaltungseinheit o.ä. handelt, sondern um einen nicht genau definierten Landstrich. Die Provinz Grosseto ist jedenfalls das Kerngebiet der Maremma, die aber auch Teile der Provinz Siena (zum Beispiel den Monte Amiata) umfasst sowie das nördlichste Ende Latiums (etwa den Bolsena-See und die Stadt Viterbo). Teile der Provinz Livorno (beispielsweise Piombino und Baratti) werden oft ebenfalls zur Maremma gezählt.

Damit hat die Maremma knapp 150 km Küste, typisch toskanisches Hügelland, aber auch schneebedecktes Gebirge zu bieten. Nicht zu vergessen die Inseln des toskanischen Archipels wie Giglio oder Giannutri. Eine abwechslungsreiche und doch charakteristische Gegend also – und das auf kleinem Raum; denn mit einem Tagesausflug ist im Prinzip jeder Punkt erreichbar.

Karte von der Maremma


Auf dieser Karte haben wir einige Sehenswürdigkeiten der Maremma zusammengestellt.

Vom Malaria- zum Weinanbaugebiet

Die Maremma war über weite Strecken ihrer Geschichte ein nahezu unbewohnbares Sumpfland. Seit jeher wurde es von der Malaria heimgesucht, bis man im 19. Jahrhundert die Sümpfe trockenlegte und das Gebiet besiedelte. Seitdem lebt die ehemals „bittere Maremma“ hauptsächlich von der Landwirtschaft, und statt Sümpfen bestimmen Weinberge, Olivenhaine, Schaf- und Rinderherden die Landschaft.

Die wilde Seite der Toskana

Das Wilde hat sich dennoch bis heute in der Maremma erhalten: Keine einzige Autobahn durchkreuzt die Gegend, die das Bild von bewaldeten Hügeln, Sand- und Felsstränden und türkisblauem Meer stören würde. Kein Wunder, dass die Maremma ein Wander- und Radfahrparadies ist, aber auch eines der schönsten Badeurlaubsziele Italiens.

Genießen auf Toskanisch

Massentourismus gibt es nicht, Ferien macht man hier in einem „Agriturismo“ auf einer „Podere“. Auch im Winter verliert die Gegend nicht ihren Reiz, nicht zuletzt dank den Schwefelthermen. Und wenn man man Kunst und Kultur nicht mit Glanz und Pracht gleichsetzt, findet man Schätze im Überfluss: Überreste jahrtausendealter Städte, in Fels gegrabene mystische Labyrinthe oder ganze Dörfer, in denen seit dem Mittelalter die Zeit stillzustehen scheint. Essen und Trinken kommen natürlich wie überall in Italien auch nicht zu kurz: Nahezu jedes Dorf veranstaltet sogenannte Sagre, kulinarische Feste. Daneben gibt es Wein-Events, bei denen man echte Überraschungen verkostet …

Neugierig geworden? Erlebt auf unseren Reisen und Events den wilden Süden der Toskana!

Max & Tiziana von Maremma_Geheimtipp

Wir sind Max & Tiziana. Aus Leidenschaft für unsere (zweite) Heimat, die Maremma, haben wir Maremma Geheimtipp ins Leben gerufen. Unsere Mission ist es, euch die authentische Südtoskana zu zeigen. Wir veranstalten unter anderem:

Maremma von A bis Z

Ein paar Begriffe, die euch im Maremma-Urlaub öfter begegnen werden:

Acquacotta

Das „gekochte Wasser“ ist ursprünglich eine Armensuppe, das früher (ähnlich wie die Panzanella) aus Resten zubereitet wurde. Heute wird es in Restaurants als erster Hauptgang serviert und enthält neben verschiedenen Gemüsesorten oft auch Ei und wird mit ungesalzenem Brot serviert.

Agriturismo

„Agri-“ („landwirtschaftlich“) und „turismo“ ergeben zusammen die meistverbreitete und beste Art, in der Toskana zu übernachten. Wie der Name andeutet, sind Agriturismi eigentlich zu Unterkünften umfunktionierte Bauernhöfe, oftmals aber mit allen Annehmlichkeiten eines modernen Hotels ausgestattet.

Aldobrandeschi

Feudahlherrengeschlecht, das im Mittelalter große Teile der Südtoskana beherrschte. Sehr viele Burgen tragen daher den Namen „Rocca Aldobrandesca“, zum Beispiel in Sovana.

Agriturismo 3 Querce, Manciano, Toskana
typischer Agriturismo

Asparagi

Spargel! Allerdings meint man damit meist nicht den im Supermarkt gekauften, sondern Wildspargel. Dieser beginnt mit der ersten Frühlingssonne an Wegesrändern, in Gebüschen und Pinienwäldern zu sprießen. Einheimische gehen von Februar bis April mit Leidenschaft Wildspargel sammeln, um daraus Leckeres zu kochen.

Briganti

Ein „brigante“ ist ein Dieb – und von diesen gab es in der verarmten Südtoskana des 19. Jahrhunderts viele. Inzwischen haftet ihnen allerdings kein verbrecherischer Ruf mehr an, sondern ein ein verwegen-heldenhafter: die Robin Hoods der Toskana, sozusagen. In Capalbio weht bis heute Briganti-Folklore durch die Lokale.

Butteri

„Toskana-Cowbys“ ist der vielleicht treffendste Ausdruck, auch wenn die Butteri darauf bestehen, eben keine Kopie ihrer amerikanischen Kollegen zu sein – umso mehr, als sie nachweislich besser reiten können.

Cacciucco

Das Fischgericht Cacciucco enthält sechs bis sieben verschiedene Meeresfrüchte und schmeckt in seiner Herkunftsstadt Livorno am besten.

Capalbio, Maremma, Toskana
Capalbio, Heimat der Briganti

Castagne

Kastanien – klar! Was sie mit der Toskana zu tun haben, weiß jeder, der einmal auf dem Monte Amiata war. Dort werden sie als herkunftsgeschützte Spezialität angebaut. Und zum Beispiel zu Castagnaccio verarbeitet.

Chianina

Die weltweit größte Rinderrasse, heimisch in der Toskana. Das Chianina-Steak nach Florentiner Art (Bistecca alla fiorentina) gehört zum Standardrepertoire traditioneller Restaurants.

Ciaffagnone

Wer sie „Crêpes“ nennt, tut der toskanischen Version des hauchdünnen Pfannkuchens Unrecht, auch wenn die Ciaffagnoni ihren französischen Verwandten sehr ähnlich sind. Doch natürlich war es Caterina de’ Medici, die das Rezept zuerst an den französischen Hof brachte. Kindern schmecken sie zum Frühstück im Agriturismo mit Nutella am besten.

Castagnaccio, toskanischer Kastanienkuchen
Castagnaccio, toskanischer Kastanienfladen

Cinghiale

Wildschweine („cinghiali“) begegnen einem mit etwas Glück beim Spaziergang im Naturpark der Maremma oder auf dem Monte Amiata. Häufiger aber im Restaurant als zweiter Hauptgang.

Etruschi

Das antike Volk der Etrusker herrschte bis zur Eroberung durch die Römer über die Toskana und weit darüber hinaus. Mehr zu den Etruskern.

Maremma Maiala!

Ein (nicht wirklich böser) Fluch, der mindestens in der gesamten Toskana gebräuchlich ist. Wird für jedes kleine Unglück des Alltags verwendet. Und ist auch der Spruch auf den sympathischen Maremma-Shirts von Lisa und Laura.

Insel Giannutri, Toskana
Das tyrrhenische Meer und seine Inseln, hier Giannutri

Mar Tirreno

Das tyrrhenische Meer – der Abschnitt des Mittelmeers, an dem die toskanische Küste liegt sowie der toskanische Archipel mit seinen sieben Inseln. Reich an schönen Badestränden.

Medici

Mit der Ausdehnung zum Großherzogtum im 16. Jahrhundert beherrschte die Florentiner Familie der Medici die gesamte Toskana – und hinterließ auch in der Maremma deutliche kulturelle und architektonische Spuren, beispielsweise in Grosseto.

Morellino

Der bekannteste Wein der Maremma, wie die meisten toskanischen Weine aus Sangiovese-Trauben gekeltert und in jedem Restaurant erhältlich.

Palude

Das italienische Wort für „Sumpf“ ist in der Maremma besonders wichtig. War der gesamte Landstrich doch einst ein von der Malaria heimgesuchtes Sumpfgebiet. Ein gutes Stück davon ist noch bei Castiglione della Pescaia übrig.

Feniglia, Maremma, Toskana
Pinienwald auf der Feniglia-Landzunge

Pastore Maremmano

Der Maremmen-Schäferhund ist eine in der Südtoskana heimische Hunderasse und bewacht bis heute die Schafherden. Auf so manchem Agriturismo ist er ebenfalls anzutreffen.

Pineta

„Pineta“ bedeutet Pinienwald. Vor allem an der Küste gibt es davon viel (etwa auf der Feniglia). Zahlreiche Strände erreicht man nur nach einem kurzen Spaziergang durch die „Pineta“, die im Sommer Schatten spendet und im Frühling zum Wildspargel-Sammeln einlädt.

Sagra

Fast das ganze Jahr über und gefühlt in jedem Dorf werden „Sagre“ veranstaltet. Bei diesen Festen wird je nach Ort und Jahreszeit eine bestimmte Frucht in allen möglichen Zubereitungsarten angeboten. Demensprechend gibt es eine „Sagra del porcino“ (Steinpilz), eine „Sagra della fragola“ (Erdbeere) oder eine „Sagra dello zafferano“ (Safran). Einfach auf die Plakate in den Dörfern achten, hinfahren und genießen.

Tufo

Tuffstein ist in der Maremma sehr wichtig. In dem Tuffsteingebiet, der „area del tufo“, sind ganze Dörfer (etwa Pitigliano) aus dem Gestein gebaut, die Etrusker haben unter anderem riesige Nekropolen (etwa in Cerveteri) daraus geformt.

Pitigliano, Maremma, Toskana
Pitigliano, eine der Tuffsteinstädte

Vie Cave

Auch die „Vie Cave“, die Canyon-artigen Hohlwege der Etrusker sind in den Tuffstein gegraben. Ihre Funktion liegt bis heute im Dunkeln.

Via Francigena

Auch „Frankenstraße“ genannt – ein alter Pilgerweg, der durch die Toskana nach Rom führt. Heute außer von Pilgern auch von Wanderern und Mountainbikern genutzt.

Zanzare

Einst schwirrten die „zanzare“, die Mücken, zu Millionen über die Sümpfe der Maremma und verbreiteten die gefürchtete Malaria. Heute reichen Fliegengitter und ein wenig Autan zur Abwehr völlig aus.

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