Die Stadt der Päpste: Viterbo

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Die Maremma – das ist nicht nur der südlichste Teil der Toskana, sondern auch der nördlichste Latiums. Und der hat ein paar ebenso schöne Städte zu bieten wie der erstere. Zum Beispiel das nahe dem Bolsena-See gelegene Viterbo. Die Stadt ist für ihre 67.000 Einwohner überraschend lebendig  (lebendiger etwa als das größere, aber etwas verschlafene Grosseto), woran die Studenten der Universität „Tuscia“ sicherlich ihren Anteil haben. Der triftigste Grund, Viterbo zu besuchen, ist allerdings die auffallend unverändert gebliebene, mittelalterliche Altstadt, die jedem Historienfilm die perfekte Kulisse bieten würde … doch alles der Reihe nach:

Fährt man aus Richtung Toskana nach Viterbo, parkt man am besten unmittelbar außerhalb der Stadtmauern an der Via del Pilastro und betritt den Stadtkern durch das Tor an der Piazza della Rocca. Von da aus sind es keine drei Minuten zu Fuß bis zur Franziskanerkirche San Francesco an der gleichnamigen Piazza. Die gedrungene, in die Häuserzeilen eingewachsene Kirche ist außen so schlicht wie innen, beherbergt aber die umso kunstvoller verzierten Grabmäler zweier Päpste, Clemens IV. und Hadrian V.

Viterbo, Latium, Maremma

Viterbo: Papstpalast und Glockenturm prägen das Stadtbild.

Das ist kein Zufall – Viterbo trägt nicht umsonst den Titel „Città dei Papi“, die „Stadt der Päpste„: Im 13. Jahrhundert wurde die Papstresidenz immerhin acht Päpste lang (oder 24 Jahre lang) von Rom nach Viterbo verlegt. Das bedeutendste Zeugnis dieser Glanzzeit Viterbos ist der einer Burg gleichende Palazzo dei Papi (Papstpalast) an der Piazza San Lorenzo, der als Kuriensitz erbaut wurde und heute als Museum besucht werden kann. Zu sehen gibt es u. a. die „Aula del Conclave“, also den Versammlungsort für die Papstwahl. Dort fand im 13. Jh. das längste Konklave der Geschichte statt: Erst nach fast drei Jahren(!) stand der neue Papst fest.

Viterbo, Latium, Maremma

die ehemalige Papstresidenz „Palazzo dei Papi“

Viterbo, Latium, Maremma

mit einem Hauch Siena: die Kathedrale San Lorenzo

Neben dem Papstpalast befindet sich die Kathedrale San Lorenzo mit ihrem auffällig schwarz-weiß gestreiften Glockenturm, der im Stil der toskanischen Gotik gebaut wurde und daher nicht umsonst dem des Sieneser Doms so ähnlich sieht. Die Kirche selbst enthält das (nicht ganz so prächtige) Grab Johannes XXI. Die Marmorverzierungen am Boden der Kathedrale sind im sogenannten Kosmaten-Stil gestaltet und kommen einem bereits aus der oben erwähnten San-Francesco-Kirche bekannt vor, wo sie das Grab Hadrians V. zieren. Die Highlights von San Lorenzo sind allerdings die Sakristei und der barocke Chor: Erstere besticht durch eine ungewöhnlich pompöse Kuppeldecke, Letzteren zieren sehr schöne Fresken aus dem 17. Jh.  Beide sind nur im Rahmen einer Führung besuchbar. Aber es lohnt sich ohnehin, für 9 € ein Ticket für den gesamten Museumskomplex inkl. Führung zu lösen, was den Besuch des Papstpalastes, der Kirche und des zugehören Museums beinhaltet.

Viterbo, Latium, Maremma

„San Pellegrino“ – das schönste Viertel der Stadt

Viterbo, Latium, Maremma

ein Profferlo

Vom Museumskomplex aus gelangt man über die Via San Lorenzo in das schönste Viertel Viterbos, den „quartiere San Pellegrino“. Das „Pilgerviertel“ trägt seinen Namen aufgrund der Lage Viterbos an der Pilgerstraße Via Francigena. Herzstück des Viertels sind die winzige Kirche San Pellegrino und der gleichnamige Platz an der ebenso gleichnamigen Straße. Seit dem Mittelalter scheinen die Jahrhunderte spurlos daran vorübergegangen zu sein; Kunsthandwerkerlädchen und Restaurants tragen ihren Teil zum Charme bei, vor allem aber die kleinen, von Häusern umrahmten Plätze, die sich immer wieder zwischen den Gassen auftun. Hier fallen unweigerlich die scheinbar umständlichen Außentreppen ins Auge, die zu den im Obergeschoß liegenden Hauseingängen führen – sie sind typisch für Viterbo und werden „Profferlo“ genannt.

Noch ein Tipp: Wenn man schon in der Nähe ist, sollte man sich den nur 20 km entfernten „Monsterpark“ von Bomarzo nicht entgehen lassen.

Fotos: Giancarlo Bronzetti

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2 Responses to Die Stadt der Päpste: Viterbo

  1. was für wunderschöne Gebäude! lg, Maria

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