Schnurgerade durch den Pinienwald: die Landzunge „La Feniglia“

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Wie ein schmaler, grüner Teppich zieht sich die Duna Feniglia vom Festland bis zur Argentario-Halbinsel. Sieben Kilometer mediterraner Dschungel – plus ein ebenso langer Naturstrand.

Feniglia, Maremma, Toskana

Nur drei schmale Landzungen binden die Halbinsel Monte Argentario am südlichsten Ende der Toskana ans Festland. Und alle drei dieser Nehrungen haben ihren ganz eigenen Charme. Die nördlichste, die Giannella, ist ein einziger langgezogener Badeort, an dem Restaurants, Bars und Campingplätze die sonnenhungrigen Urlauber versorgen. Auf der mittleren Landzunge, und damit mitten in der Lagune, welche von den beiden äußeren Nehrungen begrenzt wird, sitzt das Städtchen Orbetello.

Spaziergang im Naturschutzgebiet

Bleibt noch die südlichste Landzunge, die Feniglia. Im Gegensatz zur belebten Giannella und dem quirligen Orbetello herrscht hier Natur pur! Denn die Duna Feniglia (auch „Tombola di Feniglia“) ist gänzlich Naturschutzgebiet. Auf den rund sieben Kilometern Länge und knapp einem Kilometer Breite gibt es kein einziges Café, keinen Campingplatz und auch sonst kaum Zeichen moderner Zivilisation. Dafür einen dichten Pinienwald, gesäumt von einem sich in weitem Bogen dahinziehenden Naturstrand.

Feniglia, Maremma, Toskana

Um zur Feniglia zu gelangen, nehmt ihr an der Staatsstraße SS1 die Ausfahrt Ansedonia. Nach einer Bahnunterführung folgt ihr der Straße noch knapp 200 Meter, bevor ihr die Abzweigung rechts nehmt und auf dem großen Parkplatz gegenüber des Restaurants Botteghino parkt. Nun müsst ihr nur noch die Brücke überqueren, die über den Kanal von Ansedonia führt – und schon seid ihr mittendrin in der Wildnis.

Tierische Begegnungen in der Dämmerung

Eine einzige, schnurgerade Straße geleitet euch die gesamte Strecke vom Festland bis zum Monte Argentario durch den Pinienwald. Autos und Motorräder sind nicht erlaubt, sodass nur Radfahrer, Jogger und andere Spaziergänger sich als Vertreter der menschlichen Gattung blicken lassen. Bald zirpt, zwitschert und klopft (der Specht!) es, als wolle die Duna Feniglia den akustischen Beweis dafür liefern, dass sie ein veritabler Dschungel ist. Die prominentesten Bewohner sind Damwild, Fuchs, Dachs, Marder, Wiesel und Wildschwein – und lassen sich vor allem bei Dämmerung gerne einmal blicken. Wenn ihr also abends (bitte aber noch vor Einbruch der Dunkelheit!) die lange Straße entlang läuft oder radelt, wundert euch nicht über das eine oder andere Reh oder so manche Wildschweinfamilie, die euren Weg kreuzt.

Feniglia, Maremma, Toskana

Etwa alle 1.000 Meter queren Wege die Hauptstraße, welche auf der einen Seite zur Lagune, auf der anderen Seite zum Strand führen. Die Lagunenseite der Feniglia ist ein Hotspot für Vogelbeobachter, die hier besonders viele Reiher, Schnepfen und Enten vors Fernglas bekommen.

Robinson Crusoe lässt grüßen

Die Strandseite ist das Richtige für alle, die auch (oder gerade) ohne Services ihren Spaß am Baden im Meer haben. Denn Drinks kaufen oder Sonnenschirme mieten kann man nirgends, jedoch umso besser endlose romantische Strandspaziergänge unternehmen, dem sanften Rauschen der Wellen lauschen, das sich mit den Geräuschen des Pinienwalds vermischt – und angeschwemmtes Holz sammeln, um daraus Unterstände zu bauen. Und ganz nebenbei im glasklaren Meerwasser baden. Gerade in der Nebensaison könnte man meinen, Robinson Crusoe müsste einem jeden Moment über den Weg laufen.

Feniglia, Maremma, Toskana

Feniglia, Maremma, Toskana

Wir empfehlen, die Feniglia zu Fuß zu durchqueren. Die wenigen Kilometer sind ein wunderbarer Natur-Spaziergang, der an jeder beliebigen Stelle durch ein Bad im Meer aufgepeppt werden kann. Wer mag, kann die gesamte Strecke auch am Strand zurücklegen statt durch den Wald zu gehen. Wenn ihr bei der Gelegenheit auch gleich noch Orbetello und/oder Porto Ercole erkunden wollt, könnt ihr alternativ ein Fahrrad mieten (Mietstation bei Ansedonia, direkt am Parkplatz). Eine schöne kleine Tour ist zum Beispiel: von Ansedonia durch die Duna Feniglia bis nach Porto Ercole, dann über Orbetello (also über die mittlere Landzunge) zurück.

Übrigens: Die Feniglia ist nicht nur im Sommer einen Ausflug wert. Die Einheimischen zumindest wissen „ihre“ Landzunge auch in den kühleren Monaten für einen Wald- oder Strandspaziergang zu schätzen.

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3 Antworten zu Schnurgerade durch den Pinienwald: die Landzunge „La Feniglia“

  1. Michael Rupprecht sagt:

    Zunächst einmal Danke für die schönen Tipps und die liebevollen Hinweise. Ich war im Juni 2020 an einem sonnigen Wochenende dort. Und fand folgende Situation vor: Der beschriebene Parkplatz war knallvoll, andere Parkmöglichkeiten fanden sich in den engen Straßen in den auf einem Hügel gelegenen Ort kaum. Okay. Aber auch der beschriebene Hauptweg durch den Pinienwald war gesperrt. Die geplante Fahrradtour fiel also aus. Blieb der kurze Weg am Strand entlang, an dem sich noch kleine Parkmöglichkeiten fanden und auch etliche Strandbars und kleine Lidos. Und der sicherlich schöne Strand war, soweit mein Auge reichte, voller glücklicher Menschen. In dieser Corona-Zeit. Man sollte also, Fazit, nicht unbedingt an einem Wochenende im Sommer dorthin fahren, denn an diesen Tagen eilen viele Einheimische an die Strände – überall in Italia.

    • maxfleschhut sagt:

      Hallo Michael,
      letzten Winter wütete ein Unwetter über der Feniglia und knickte auch einige Bäume um. Womöglich waren gerade noch (oder wieder) Aufräumarbeiten im Gange, als du dort warst – daher war der Weg vermutlich gesperrt. Und der Parkplatz kann in der Hauptsaison natürlich voll sein, gerade kurz nach den Corona-Lockerungen, wenn auch die Italiener „endlich wieder raus“ dürfen. Mein Tipp: Im April/Mai oder September/Oktober hinfahren, da kann man herrliche Strandspaziergänge ohne Menschenmassen machen, und schön warm ist es trotzdem!

  2. Bernhard Zylka sagt:

    Wir waren an einem Freitag Anfang August 2020 da, Ankunft am Parkplatz ca. 11:30 – kurz drauf war er voll. Fahrräder kann man gleich nach dem Parkplatz leihen für 7,-€ pro Tag, man muss allerdings aufpassen das die Reifen nicht zu platt sind. Der Eingang zum Pfad ist schwer zu finden, direkt nach der Brücke ein kleiner Durchgang der leicht übersehen werden kann. Danach ist alles wunderbar und wie beschrieben. Wir waren am 4. Strand, der war zwar nicht leer aber es war genügend Platz.

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