12 Dinge, die ihr auf Elba tun solltet (außer baden)

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Die fischförmige Insel Elba ist vor allem unter deutschsprachigen Urlaubern äußerst beliebt. Eigenartigerweise wird sie gar nicht so richtig als der Toskana zugehörig angesehen – bei „Elba“ denken viele eben nur an Elba und nicht an die Toskana, obwohl Elba die größte Insel des Toskanischen Archipels ist und vom Festland per Fähre ab Piombino nur eine Stunde entfernt ist. Allerdings stimmt auch, dass Elba eine Welt für sich ist: Wer hier einmal mehrere Tage verbracht hat und etwas in Kontakt mit den Bewohnern gekommen ist, merkt, dass die Uhren hier anders ticken (Stress scheinen die Elbaner nicht zu kennen) und außerdem jeder irgendwie jeden kennt („Ah, ihr geht morgen mit Umberto wandern? Sagt ihm einen Gruß von mir!“).

Elba, Villa dei Mulini

die Villa dei Mulini, eine der beiden Napoleon-Villen

Was uns an Elba unter anderem so fasziniert, ist die perfekte Größe der Insel: groß genug, dass es echte „Einheimische“ gibt (und nicht nur Feriengäste) und zudem verschiedenste Landschaftsformen, aber auch klein genug, dass man in einer Stunde Autofahrt die Insel der Länge nach durchqueren und somit Elba in ein bis zwei Urlaubswochen in seiner Gesamtheit schätzen lernen kann. Wir stellen also fest: Elba ist ein ganz besonderer Mikrokosmos.

Völlig zu Recht kommen Urlauber in erster Linie wegen der schönen Strände nach Elba. Es ist beinahe egal, von wo aus ihr von der Insel ins Meer hüpft (bis auf die Stellen, die zu steil und felsig sind, versteht sich): Die Küste sieht überall aus wie einem Hochglanzprospekt entsprungen. Man würde Elba aber Unrecht tun, wenn man sich nur aufs Baden beschränken würde. Dafür gibt es zu viel zu sehen und zu erleben. Unserer Meinung nach solltet ihr auf Elba (außer Baden) folgende Dinge unternehmen:

1. Auf Napoleons Spuren wandeln

Napoleon Bonaparte war mit Abstand Elbas prominentester Bewohner. Aus dem Geschichtsunterricht könnt ihr euch bestimmt noch erinnern, dass er im Jahr 1814 auf die Insel ins Exil geschickt wurde. Die Ankunft der damals europaweit wohl berühmtesten Person sorgte für helle Aufregung unter den Elbanern. Und obwohl Napoleon erstens alles andere als freiwillig hier war, und zweitens gerade einmal neun Monate blieb, war sein Aufenthalt tatsächlich ein Segen für die Insulaner: Er baute die Infrastruktur bedeutend aus, förderte den Weinbau und gab Elba seine Flagge (siehe 2.). Und nicht zuletzt hinterließ er die größten kulturellen Sehenswürdigkeiten der Insel: die beiden Napoleon-Villen „Villa dei Mulini“ in Portoferraio und die „Villa Napoleonica“ nicht weit davon entfernt in San Martino. Beide Häuser kann man besichtigen (Infos hier und hier).

2. Honig essen

Die Flagge, die Napoleon für Elba ersann, zeigt in einem roten Streifen drei Bienen. Es lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, ob die Wahl des Wappentiers tatsächlich darauf beruht, dass dem Ex-Kaiser der Honig so sehr schmeckte. Fest steht aber, dass Elba zu den Top-Honig-Produzenten in Italien gehört, wohl vor allem aufgrund der großen Pflanzenvielfalt und dem damit verbundenen großen und vielfältigen Nahrungsangebot für Bienen. Daher gibt es Honig in verschiedensten Sorten (Millefiori, Kastanie, Eukalyptus,…) fast überall auf der Insel zu kaufen. Direkt vom Imker kann man ihn zum Beispiel auf dem Markt „Mercato della Terra“ in Procchio beziehen (jeden Di und Sa, 8-13 Uhr auf dem großen Parkplatz im Dorfzentrum).

Elba, Wanderung mit Eseln

Esel-Wanderungen machen nicht nur Kindern Spaß,…

Elba, Wanderung mit Eseln

… sondern auch unserem Autor.

3. Mit Eseln wandern

Als wir das letzte Mal auf Elba waren, hatten wir das Vergnügen, Luca Giusti kennenzulernen – mitsamt seinen Haustieren, den Eseln Ambra, Titina, Mustafà, Giulia und Rosina, die in seinem großzügigen Garten in der Gemeinde Campo nell’Elba leben. Besucher können Wanderungen mit den Eseln buchen. Wichtig dabei zu wissen, ist, dass sich das Tempo nicht etwa nach dem Wanderer oder nach Luca, sondern einzig nach den Eseln richtet – und das ist sehr gemächlich. Allzu viele Kilometer wird man nicht zurücklegen, da die Esel ständig irgendetwas zum Fressen oder Beschnuppern finden. Damit ist eine solche Tour zwar nicht sportlich, aber umso spaßiger: Man schnallt seine Taschen und Rucksäcke auf die Rücken der Lasttiere und erfreut sich daran zu sehen, was diese so alles fressen, wie unterschiedlich sie in ihren Charakteren sind und wie sie es genießen, vor und nach dem Ausflug gestriegelt zu werden. Infos: Somareria dell’Elba, Traversa di Via Filetto 421b, Campo nell’Elba, Tel. 0039 338 4215060, www.somareriadellelba.com.

4. Das einzig wahre Elba-Rezeptbuch kaufen

Wenn ihr Punkt 1. (Napoleon) erledigt habt, habt ihr Nonna Adua („Oma Adua“) sowieso schon kennengelernt. Sie sitzt so gut wie immer vor ihrem Stand vor der Villa Napoleone und verkauft ihr selbst geschriebenes Buch mit Elba-Rezepten, das natürlich vor allem Fischrezepte enthält. Kein Besucher schafft es, an ihr vorbeizugehen, ohne ein paar Worte mit der aufgeweckten, nimmermüden Seniorin gewechselt zu haben. Ein Exemplar ihres Buches zu kaufen, ist fast schon Ehrensache. Fotos an ihrem Stand zeigen die VIPs, die bereits eins im Regal stehen haben- unter anderem Mick Jagger, der bei einem Elba-Besuch 2009 gleich drei Exemplare erstand.

5. Kajak fahren

Wenn Elba schon für seine schöne Küste bekannt ist, was liegt dann näher, als diese vom Wasser aus zu erkunden? Auf Elba gibt es etliche Segelschulen und Bootsverleihe, bei denen ihr Kajaks mieten könnt, zum Beispiel Spazio Mare in Porto Azzurro (www.spaziomare.it). Noch schöner als auf eigene Faust loszupaddeln ist allerdings eine mehrtägige Kajaktour (inklusive Übernachtung am Strand!) mit Wanderführer Umberto Segnini (Tel. 0039 333 2653079, www.econauta.net). Oder ihr paddelt nicht bei Elba, sondern bei der Nachbarinsel Pianosa (siehe auch Punkt 7.) – da ist wiederum Luca Giusti (genau, der mit den Eseln, Tel. 0039 338 4215060) der richtige Guide.

Elba, Nonna Adua

Die Kochbücher von Nonna Adua hat u.a. Mick Jagger im Regal stehen.

6. Mineralien suchen

Im Altertum kamen die Etrusker, um Eisen abzubauen, im Anschluss die Römer, ebenfalls des Eisens wegen, aber auch wegen des Granits. Der interessierte auch die Pisaner, die sich dann im Mittelalter die Bergwerke Elbas unter den Nagel rissen. So kam es, dass Elba-Gestein unter anderem als Baumaterial für die Piazza dei Miracoli in Pisa (der Platz mit dem Schiefen Turm) und für das Pantheon in Rom verwendet wurde. Außer den genannten Gesteinen gibt es auf Elba unter anderem Pyrit, Magnetit und Hämatit. Heute hat der Bergbau keine wirtschaftliche Bedeutung mehr; es gibt aber noch ein paar Bergwerke auf der Insel, die man als Museum besichtigen kann. Besonders empfehlenswert ist der „Parco Minerario“ in Rio Marina (Via Magenta 26, www.parcominelba.it): Mit einem Zug fahrt ihr durch den Bergbaupark. Anschließend könnt ihr mit einem Hammer bewaffnet (erhältlich beim Personal) selbst nach Mineralien suchen und diese als Andenken mit nach Hause nehmen.

7. Weitere Inseln besuchen

Der Toskanische Archipel besteht noch aus sechs weiteren Inseln, die allesamt deutlich kleiner sind als Elba, aber alle so eigen- und einzigartig, dass man sich auf jeder von ihr wieder in einem eigenen Mikrokosmos befindet. Von Elba aus fahren Boote auf die Inseln Capraia, Giglio und Pianosa (unser Favorit!). Die Überfahrten organisiert www.aquavision.it. Lasst bei der Fahrt eure Blicke übers Wasser schweifen; mit etwas Glück entdeckt ihr Delfine. Der Toskanische Archipel ist schließlich Teil eines Meeresschutzgebietes mit großem Delfinbestand.

8. Aleatico trinken

Eigentlich schade, dass der Weinanbau auf Elba seit dem Einzug des Tourismus stark an Bedeutung und Anbaufläche verloren hat. Tatsächlich muss man sich Elba noch bis zu den 1960er-Jahren ganz anders vorstellen als die heutige, vom Tourismus geprägte Insel. Damals wurde noch viel Landwirtschaft betrieben, unter anderem eben Weinbau. Und ironischerweise war die heute für Elba typische, wilde Macchia (das mediterrane Gebüsch) damals weit weniger ausgebreitet – stattdessen fand man wohlgeordnete landwirtschaftliche Flächen im Terrassenanbau vor. Wer mit offenen Augen durch Macchia und Wälder Elbas streift, wird tatsächlich noch viele Steinstufen dieser Terrassen zwischen dem Gestrüpp entdecken. Jedenfalls war damals der Aleatico, ein vollmundiger, körperreicher und süßer Rotwein von großer Bedeutung. Zum Glück blieben bis heute ein paar Anbauflächen erhalten, sodass der Aleatico immer noch als Elba-Spezialität gehandelt wird. Seine Besonderheit ist, dass die Trauben nach der Ernte rund zwei Wochen lang an der Luft getrocknet werden, wodurch sie Wasser verlieren und sich der prozentuale Zuckergehalt erhöht – daher der süße Geschmack. Ihr bekommt den Aleatico in allen Weinläden der Insel sowie in den meisten Restaurants.

9. Bier trinken

Bier auf Wein? Ja, das muss sein. Denn aus irgendeinem uns unbekannten Grund (Hopfen oder Gerste werden jedenfalls nicht angebaut) wird auf Elba gefühlt so viel Bier gebraut wie im ganzen übrigen Italien zusammen. Das liegt sicher nicht nur an den vielen deutschen Urlaubsgästen, denn hier findet man kein Paulaner oder Beck’s, sondern viele kleine Brauereien und Craft-Beer-Hersteller. Die beliebtesten Elba-Biermarken sind Birra dell’Elba und Birra Napoleon, welche in den allermeisten Pubs und Restaurants vertreten sind. Schwerpunkt der elbanischen Brauereien sind experimentelle Sorten wie Kastanien-, Rosmarin- oder Honigbier – vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber auf alle Fälle eine Erfahrung wert.

Elba, Kajak-Touren

Elba mit dem Kajak erkunden

10. Parfüm shoppen

Immer wieder entdeckt man auf Elba die türkisfarbenen Shops von „Acqua dell’Elba“, der lokalen Parfümmarke. Gegründet Ende der neunziger Jahre von drei echten Elbanern in einem kleinen Labor im Ort Marciana Marina, hat das Unternehmen längst weit über die Insel hinaus Bekanntheit erlangt: Inzwischen gibt es 29 eigene Läden in ganz Italien. Das Konzept: die typischen Düfte der Insel im Flakon festzuhalten. So enthalten die Parfüms ausschließlich natürliche Essenzen wie Myrte, Jasmin, Zitrone, Orange oder Rosmarin. Sehr gut als edles und doch lokaltypisches Urlaubs-Mitbringsel. Mehr Infos: www.acquadellelba.it.

11. Uhren shoppen

Auch in Deutschland findet man in vielen Kaufhäusern die Uhren der Marke „Locman“. Kaum jemand weiß, dass die edlen Chronometer auf Elba gefertigt werden. Im Hafen von Marina di Campo hat das Unternehmen bis heute seinen Sitz und stellt mittel- bis hochpreisige Uhren her, welche die Namen der Inseln des Toskanischen Archipels tragen: Montecristo, Giannutri, Isola d’Elba. Zu kaufen gibt es die Uhren im Hauptsitz in Marina di Campo (Piazza da Verrazzano 7), in Portoferraio (Calata Mazzini 17) und  in Porto Azzurro (Via Vitaliani 20). Eines der schönen Stücke zu erwerben, gibt die Urlaubskasse vielleicht nicht immer her, aber man kann ja nur mal schauen … Mehr Infos: www.locman.it.

Elba, Wandern

Beim Wandern eröffnet sich die ganze Vielfalt Elbas.

12. Wandern

Elba erscheint so überschaubar, wenn man es mit dem Auto erkundet. Wenn man dies zu Fuß tut, wähnt man sich aber in einer nimmer enden wollenden Wunderwelt, die immer neue Landschaftsformen und Geheimnisse offenbart. Alleine schon der extreme Gegensatz von Sandstränden auf Null Metern und Elbas höchstem Berg „Monte Capanne“ auf über 1000 Metern: Hier das exotische Flair mit weißem Sand und türkisem Wasser, dort die alpine Atmosphäre mit nackten, klobigen Felsen und spärlicher Vegetation. Und dann noch die unendlich vielen Schattierungen dazwischen, die sich durch Olivenbäume, Pinien, Korkeichen, Kakteen, Orchideen und viele andere Pflanzen auszeichnen. Jede Höhenlage Elbas bringt ihre eigene Flora und Fauna hervor. Wandern auf Elba ist nicht zuletzt deshalb ein wahres Vergnügen. Außerdem ergeben sich immer wieder neue, fantastische Panoramablicke auf das Meer und die umliegenden Inseln. Wir empfehlen vor allem Elba-Neulingen, mit einem Guide zu wandern. Nicht, weil die Wanderungen gefährlich wären, sondern, weil man auf so viele Details hingewiesen wird, die man sonst übersehen würde. Wir haben mit Wanderführer Umberto (siehe Punkt 5., Tel. 0039 333 2653079, www.econauta.net) sehr gute Erfahrungen gemacht und freuen uns schon, beim nächsten Elba-Urlaub wieder mit ihm loszuziehen.

Ach ja, übernachten solltet ihr vielleicht auch – wir haben uns jedenfalls in dieser Ferienwohnung sehr wohlgefühlt.

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