Kleiner Weinführer für die Maremma, Toskana

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Es wäre eine Sünde, vom Italienurlaub zurückzukehren ohne die ein oder andere Flasche Wein als Andenken im Gepäck. In der Toskana kann man da wirklich aus dem Vollen schöpfen. Mit Chianti oder Montepulciano ist man sicher nicht schlecht beraten, aber wenn man schon mal da ist, sollte man die Gelegenheit nutzen und auch ein paar önologische Geheimtipps ausprobieren. Hier ein – zugegeben völlig subjektives – „Best of“ der maremmanischen Weine:

Rotwein (Quelle: sxc.hu, Autor: Mattox)Rotweine

Der Morellino di Scansano ist wohl der bekannteste Wein der Maremma. Wie die meisten Roten aus der Toskana besteht er vor allem aus der Rebsorte Sangiovese, nur dass diese in Scansano eben „Morellino“ genannt wird. Beim „Festa dell’Uva“ in Scansano kann man ihn jedes Jahr im September ausgiebig verkosten. Typisch für den Morellino sind Noten von roten Früchten und Brombeeren, auch Pfeffer, Zimt oder sogar Vanille kann man bisweilen herausschmecken.

Auch der Rosso di Sovana besteht mindestens zur Hälfte aus Sangiovese-Trauben. Der Rest des Verschnitts besteht oft aus Merlot und Ciliegiolo. Letzterer sorgt für eine fruchtige Kirschnote; aber auch ein blumiges Aroma – vor allem nach Veilchen – entfaltet sich am Gaumen. Wie alle Sangiovese-Weine passt der Rosso di Sovana hervorragend zu deftigen Fleischgerichten, vor allem auch zu Wild.

Das Weinanbaugebiet Monteregio di Massa Marittima befindet sich im Norden der Maremma (Massa Marittima, Castiglione della Pescaia, Follonica, Gavorrano). Auch dort bestehen die Rotweine zu 80 Prozent aus – Überraschung! – Sangiovese-Trauben, was für ein deutliches Aroma von roten Früchten sorgt. Die schönste Art, den Monteregio di Massa Marittima zu genießen, ist eine Tour auf der Weinstraße „Strada del Vino„, die durch das Anbaugebiet führt.

Beim rubinroten Terratico di Bibbona gesellen sich zum Sangiovese mindestens 35 Prozent Merlot. Auch hier passt Deftiges und Kräftiges am Besten dazu, wie Wildschwein, Salami oder ein gut gereifter Pecorino.

Die Rebsorte Canaiolo kennen viele nur als Bestandteil des Chianti. Tatsächlich wird Canaiolo meist im Verschnitt verwendet und nur sehr selten pur. Eine Ausnahme bildet der Colli Etruschi Viterbesi Canaiolo, der ausschließlich aus dieser Traube gekeltert wird, was ihn besonders körperreich, geschmacks- und farbintensiv macht, aber auch leicht bitter.

Weißweine

Aus einem so schönen Ort wie Pitigliano kann nur Gutes kommen – so wie der Bianco di Pitigliano. Er besteht hauptsächlich aus Trebbiano Toscano, aber auch Chardonnay oder Sauvignon werden oft hinzugefügt. Die Version „Superiore Oroluna“ ist besonders zu empfehlen: Blumig, fruchtig und intensiv kann man ihn sehr gut pur genießen.

Der Ansonica Costa dell’Argentario wird aus der autochthonen Rebsorte Ansonica erzeugt, die nur an einigen wenigen Orten richtig gedeiht, unter anderem auf dem Monte Argentario und der Insel Giglio. Denn nur hier findet sie das geeignete Mikroklima vor mit extra viel Sonne und extra wenig Niederschlag. Der Ansonica passt sehr gut zu Meeresfrüchten, Fisch oder – ganz Toskana-untypisch – zu Sushi.

Aus einem ganz anderen Klima stammt der Montecucco Vermentino. Er wird weiter im Landesinneren in wesentlich höheren Lagen (teilweise sogar an den Hängen des Monte Amiata) angebaut. Wie der Name sagt, besteht er vor allem aus Vermentino. Das macht ihn strohgelb, schön trocken und zu einem guten Begleiter zu Fisch, Käse sowie den meisten „primi piatti“ (erster Hauptspeisen-Gang, meist Pasta oder Suppe).

Auch der Parrina Bianco verwendet die Ansonica-Traube, allerdings in Verbindung mit Vermentino, Trebbiano und Chardonnay Sauvignon. Diese Mischung verleiht ihm lebendige, fruchtige Noten. Perfekt zu  Antipasti, Fisch und Krustentieren.

IGT, DOC und DOCG
Ein guter Indikator für die Güte des Weins sind übrigens die Bezeichnungen IGT (Indicazione Geografica Tipica – Landwein), DOC (Denominazione di Origine Controllata – Qualitätswein) und DOCG (Denominiazione di Origine Controllata e Garantita – Prädikatswein). Dies sind zwar keine Gütesiegel im eigentlichen Sinn (ein IGT-Wein kann exzellent sein und ein DOC nur mäßig), denn sie machen lediglich Aussagen über Herkunft (ausschließlich aus diesem oder jenem Anbaugebiet) und Beschaffenheit (Reifezeit, Alkoholgehalt etc.) des Weins. Aber immerhin geben sie eine gewisse Sicherheit, dass der Wein so schmeckt, wie er schmecken sollte. Ob er einem dann persönlich mundet, muss man freilich selbst herausfinden. Eine ideale Gelegenheit dafür sind die vielen Weinfeste („festa del vino“ oder „sagra del vino“), die im Herbst stattfinden. Mehr dazu in unserem Veranstaltungskalender.

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6 Responses to Kleiner Weinführer für die Maremma, Toskana

  1. Reblogged this on derblauweisse and commented:
    Ein lesenswerter Weinführer…

  2. rotewelt sagt:

    Eine schöne Zusammenstellung, jetzt möchte ich ein Glas Morellino di Scansano trinken, ich kann mich noch gut an Duft und Geschmack erinnern!

  3. Enrico sagt:

    Man, wo Sie vergessen haben Montecucco? Es gibt drei Weinstraßen…..;.)

    Ciao

    • Mi fa piacere che l’articolo abbia mosso il suo interesse, ma ovviamente ho nominato il Montecucco, vada a vedere! Parlando di Toscana é difficile riussumere tutti i vini in un solo articolo ma ne seguiranno degli altri! Grazie per il suo commento,

      Max

  4. Pingback:Italien: "Die Toskana ist grösstenteils wild und unberührt" - Weltreiseforum: Die Informationsquelle für Individualreisende

  5. Pingback:Wie aus dem Stein gepellt: Pitigliano | Maremma Geheimtipp

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